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NOS op 3 verwendet umstrittene „Groß-Israel"-Karte in Erklärvideo zu Israels Grenzen

NOS op 3 zeigt eine umstrittene „Groß-Israel"-Karte und verbindet sie mit Herzl. Eine Analyse von Herkunft, Bedeutung und Kontext.

5. Oktober 2026 um 09:18 GMT+3 · 5 min read · Jerusalem (IDT)

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In einem Erklärvideo über die sich verändernden Grenzen Israels behandelt NOS op 3 den Begriff „Groß-Israel". Dabei wird eine Karte gezeigt, auf der ein israelisches Territorium dargestellt wird, das sich über Teile mehrerer Länder des Nahen Ostens erstreckt. Außerdem wird das Konzept mit Theodor Herzl in Verbindung gebracht, dem Begründer des modernen politischen Zionismus.

Diese Darstellung verlangt nach historischem Kontext. Der Begriff „Groß-Israel" hat nämlich verschiedene Bedeutungen, und Karten, auf denen sich Israel von Ägypten bis tief in den Nahen Osten erstreckt, haben auch eine Geschichte innerhalb antiisraelischer und antisemitischer Propaganda.

Eine umstrittene Karte

Karten, auf denen ein vermeintliches zukünftiges Israel große Teile Ägyptens, Jordaniens, Syriens, des Iraks und Saudi-Arabiens umfasst, kursieren seit Jahrzehnten.

Ein Beispiel dafür befindet sich in der Persuasive Cartography Collection der Cornell University. Die Universität beschreibt eine solche Karte als Teil der Vorstellung, Zionisten würden heimlich ein „Greater Israel" anstreben. Eine Version dieser Karte erschien der Sammlung zufolge in einer iranischen Ausgabe der gefälschten Protokolle der Weisen von Zion aus dem Jahr 1985. Cornell merkt zugleich an, dass unklar ist, welche genaue Beziehung zwischen dieser spezifischen Verschwörungstheorie und den ursprünglichen Protokollen besteht.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Die Existenz territorial maximalistischer Strömungen innerhalb des Zionismus oder der israelischen Politik ist an sich kein Beweis für einen geheimen Plan, ein Gebiet vom Nil bis zum Euphrat zu erobern. Umgekehrt bedeutet die propagandistische Verwendung solcher Karten ebenso wenig, dass jede Diskussion über israelische territoriale Ambitionen deshalb unbegründet ist.

Die Frage ist daher, welche historischen Behauptungen NOS op 3 genau mit der gezeigten Karte verbindet und worauf diese Behauptungen beruhen.

Was schrieb Herzl?

NOS op 3 bringt die Idee des „Groß-Israel" mit Theodor Herzl und einer biblischen Vorstellung des verheißenen Landes in Verbindung. Dabei fehlt relevanter Kontext.

Herzl war der Begründer des politischen Zionismus, aber sein politisches Projekt beruhte nicht primär auf einer theologischen Interpretation biblischer Grenzen.

In Herzls Tagebuch aus dem Jahr 1898 findet sich allerdings eine Passage, in der ein Gebiet „from the Brook of Egypt to the Euphrates" genannt wird. Dieser Satz kann nicht ignoriert werden. Der Kontext ist jedoch ebenso wesentlich.

Herzl schreibt, dass er mit dem deutschen Zionisten Max Bodenheimer über mögliche Forderungen gesprochen habe. Nach einer Beschreibung des betreffenden Gebiets und eines möglichen Verwaltungsübergangs notiert Herzl: „These are Bodenheimer's ideas, in part excellent."

Damit steht fest, dass derartige territoriale Ideen in frühen zionistischen Kreisen diskutiert wurden und dass Herzl Teile davon positiv beurteilte. Aus dieser Passage allein folgt jedoch nicht, dass ein Staat von Ägypten bis zum Euphrat Herzls ausgearbeitetes territoriales Programm war, geschweige denn, dass dies für sich genommen ein Beweis für eine fortlaufende politische Agenda aufeinanderfolgender israelischer Regierungen wäre.

Diese Unterscheidung fehlt, wenn ein historischer Gedanke, ein biblischer Text und heutige Regierungspolitik unmittelbar miteinander verbunden werden.

„Groß-Israel" hat mehr als eine Bedeutung

Hinzu kommt, dass der Begriff „Groß-Israel" kein einziges, klar umrissenes territoriales Konzept bezeichnet.

Auch innerhalb Israels gab es Strömungen, die territoriale Expansion oder den Erhalt eroberter Gebiete befürworteten. Die historische Forschung beschreibt zudem die Verwendung von Karten von Eretz Yisrael durch verschiedene zionistische Bewegungen, deren Auffassungen über Grenzen und Territorium erheblich voneinander abwichen.

In heutigen Debatten wird „Groß-Israel" ebenfalls für unterschiedliche Vorstellungen verwendet: manchmal für Israel einschließlich Westjordanland und Gaza, manchmal für weitergehende territoriale Ansprüche und in der extremsten Vorstellung für ein Gebiet, das weit über die heutigen israelischen Grenzen hinausreicht.

Diese Bedeutungen können journalistisch nicht ohne Erläuterung miteinander vertauscht werden.

Das gilt umso mehr, als auch innerhalb Israels selbst radikale territoriale Auffassungen existieren. Deren Vorhandensein beweist jedoch noch nicht, dass die maximalistischste Variante offizielle Regierungspolitik ist.

Von historischen Ideen zu aktueller Politik

Dort liegt das wichtigste journalistische Problem der NOS-op-3-Darstellung.

Ein Erklärvideo darf selbstverständlich territorialen Maximalismus, religiös-nationalistische Bewegungen, Siedlungspolitik und Äußerungen israelischer Politiker thematisieren. Der niederländische öffentlich-rechtliche Sender NOS hat selbst früher berichtet, dass bestimmte rechts-religiöse Gruppen in Israel von einem „Groß-Israel" sprechen, wobei zugleich angemerkt wurde, dass diese Vision nicht von der Mehrheit der israelischen Bevölkerung geteilt wird.

Auch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte 2025, er fühle sich einer Vision von „Groß-Israel" „sehr verbunden", ohne zu definieren, welche geografische Bedeutung er dem Begriff beimaß. Der NOS machte damals selbst diesen Vorbehalt.

Gerade deshalb ist Präzision notwendig.

Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen:

  • historischen territorialen Ideen innerhalb von Teilen der zionistischen Bewegung;
  • religiösen Interpretationen biblischer Landesverheißungen;
  • heutiger Annexions- oder Siedlungspolitik;
  • Äußerungen einzelner israelischer Politiker;
  • und der Behauptung, Israel führe einen verborgenen Regierungsplan aus, um Territorium vom Nil bis zum Euphrat zu erwerben.

Für die letzte Behauptung ist ein gesonderter Beweis erforderlich. Die Existenz der ersten vier stellt dafür nicht automatisch einen Beweis dar.

Warum die Herkunft der Karte wichtig ist

Wenn eine journalistische Produktion eine Karte verwendet, die zuvor in propagandistischen oder verschwörungstheoretischen Kontexten verbreitet wurde, bedeutet das nicht automatisch, dass der Journalist dieselbe Ideologie teilt.

Es stellt jedoch höhere Anforderungen an Quellenangaben und Kontext.

Der Zuschauer muss verstehen können, wer die Karte erstellt hat, aus welcher Zeit sie stammt, welches territoriale Konzept sie darstellt und ob sie eine offizielle israelische Politikkarte, eine historische ideologische Vorstellung oder eine von Gegnern angefertigte Interpretation zeigt.

Fehlt eine solche Erläuterung, kann eine visuelle Darstellung mehr Sicherheit suggerieren, als die verfügbaren historischen Belege rechtfertigen.

Gegendarstellung

GOD News hat den NOS gefragt, welche Quelle für die im Video gezeigte Karte verwendet wurde und wie die Redaktion die Beziehung zwischen der historischen Passage bei Herzl und der heutigen israelischen Regierungspolitik begründet. Der NOS hat zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht geantwortet. Sobald eine Antwort eingeht, wird sie in diesen Artikel aufgenommen.

Fazit

Die Geschichte territorialer Ideen innerhalb des Zionismus und der israelischen Politik ist real und komplex. Auch heutige israelische Politiker haben Äußerungen getätigt, die eine Diskussion über den Begriff „Groß-Israel" rechtfertigen.

Umso wichtiger ist es, zwischen historischen Ideen, religiösen Vorstellungen, politischen Strömungen und nachweisbarer Regierungspolitik zu unterscheiden.

Bei der Behandlung der expansivsten Variante — eines Israels, das sich von Ägypten bis zum Euphrat erstrecken würde — ist zudem Vorsicht geboten wegen der langen Geschichte, in der solche Karten auch in antijüdischer und antiisraelischer Propaganda verwendet wurden.

Indem diese verschiedenen Elemente ohne ausreichenden Quellenkontext miteinander verbunden werden, läuft das Erklärvideo von NOS op 3 Gefahr, eine umstrittene historische Vorstellung als kohärentes politisches Projekt darzustellen.

Für eine Bildungsproduktion zu einem so sensiblen Thema ist gerade diese Unterscheidung wesentlich.

Trust & Transparency

The Emet Standard →

Verification & Right of Reply

Der NOS wurde um die Quelle der gezeigten Karte und die Begründung der dargestellten historischen Linie gebeten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag noch keine Antwort vor; sie wird veröffentlicht, sobald sie eingeht.

Corrections, Clarifications & Updates

No corrections, clarifications or updates recorded for this story.

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