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GLAUBE

Die vier Reiter der Offenbarung — aber schau zuerst auf das Lamm

Die vier Reiter ziehen durch Offenbarung 6, doch sie sind nicht die Hauptfiguren. Wer die Vision wirklich verstehen will, muss zuerst auf das Lamm blicken, das die Siegel öffnet.

Künstlerische Bibelillustration der vier Reiter aus Offenbarung 6 unter der Autorität des Lammes.
Bild: Illustratie: GOD News · Door GOD News gegenereerde redactionele illustratie; artistieke verbeelding, geen letterlijke reconstructie. · Quelle

Die vier Reiter aus der Offenbarung gehören zu den bekanntesten und ergreifendsten Bildern der Bibel. Ein weißes Pferd. Ein rotes Pferd. Ein schwarzes Pferd. Ein fahles Pferd. Eroberung, Krieg, Mangel und Tod.

Doch wer Offenbarung 6 richtig verstehen will, darf nicht bei den Pferden beginnen.

Er muss beim Lamm beginnen.

Denn bevor Johannes die vier Reiter sieht, erhält er in Offenbarung 5 zuerst einen Einblick in den Thronsaal Gottes. Dort liegt der Schlüssel zum Verständnis all dessen, was danach folgt.

Nicht die Pferde, sondern das Lamm steht im Mittelpunkt

Johannes sieht eine Buchrolle in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt. Diese Buchrolle ist mit sieben Siegeln versiegelt.

Dann erklingt die Frage:

“Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu brechen?” — Offenbarung 5:2

Zunächst wird niemand gefunden, der würdig ist.

Johannes weint.

Aber dann sagt einer der Ältesten:

“Siehe, der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, hat überwunden.” — Offenbarung 5:5

Johannes blickt hin.

Doch anstelle eines Löwen sieht er:

“ein Lamm, das dastand wie geschlachtet.” — Offenbarung 5:6

Dort sehen wir eine der tiefsten Wahrheiten der Offenbarung: Der Löwe ist das Lamm.

Jesus Christus siegt nicht, wie irdische Machthaber siegen. Er siegt durch Sein Opfer, Seinen Gehorsam und Sein vollbrachtes Werk am Kreuz.

Deshalb erklingt im Himmel:

“Du bist würdig, die Buchrolle zu nehmen und ihre Siegel zu öffnen.” — Offenbarung 5:9

Erst danach beginnt Offenbarung 6.

Das ist fundamental.

Die vier Reiter erscheinen nicht unabhängig.

Das Lamm öffnet die Siegel.

Die Welt ist nicht der Herrschaft Gottes entglitten.

Das erste Siegel: das weiße Pferd

Als das erste Siegel geöffnet wird, sieht Johannes:

“ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen. Und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus, siegreich und um zu siegen.” — Offenbarung 6:2

Wer dieser erste Reiter genau ist, wird unterschiedlich ausgelegt.

Manche sehen darin Christus oder den Vormarsch des Evangeliums. Weiß wird ja auch an anderer Stelle in der Offenbarung mit Reinheit, Sieg und himmlischer Herrlichkeit verbunden.

Andere sehen den Reiter als ein Bild militärischer Eroberung, politischer Macht oder einer anderen siegreichen Kraft innerhalb der Gerichte der Siegel.

Offenbarung 6 nennt den Reiter jedoch nicht beim Namen.

Deshalb müssen wir vorsichtig bleiben.

Was der Text aber deutlich sagt: Er zieht aus, siegreich und um zu siegen.

Bei Prophetie gilt ein wichtiges Prinzip: Wo die Schrift deutlich spricht, dürfen wir deutlich sprechen. Wo die Schrift Raum lässt, müssen wir demütig bleiben.

Das zweite Siegel: Der Friede wird weggenommen

Danach erscheint ein feuerroter Reiter.

Johannes schreibt:

“Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde wegzunehmen, sodass sie einander hinschlachten würden.” — Offenbarung 6:4

Der Reiter erhält zudem ein großes Schwert.

Die Bedeutung ist ergreifend.

Der Friede wird weggenommen.

Die Gewalt nimmt zu.

Menschen wenden sich gegeneinander.

Die rote Farbe passt stark zu Krieg und Blutvergießen, aber die Bedeutung muss nicht aus der Farbe abgeleitet werden. Der Text erzählt explizit, was dieser Reiter tut.

Jesus sprach in Matthäus 24 ebenfalls von:

“Kriegen und Kriegsgerüchten.”

Und:

“Volk wird sich gegen Volk erheben und Königreich gegen Königreich.”

Es gibt eine deutliche thematische Übereinstimmung zwischen Matthäus 24 und Offenbarung 6: Krieg, Zerrüttung, Hungersnot, Verfolgung und Tod.

Dennoch müssen wir vorsichtig sein, jedes Detail aus beiden Kapiteln direkt eins zu eins gleichzusetzen.

Das dritte Siegel: ein Tageslohn für Nahrung

Das dritte Pferd ist schwarz.

Der Reiter trägt eine Waage.

“Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar.” — Offenbarung 6:6

Ein Denar entsprach zur Zeit des Neuen Testaments etwa dem Tageslohn eines einfachen Arbeiters.

Das Bild ist daher ernst.

Ein ganzer Arbeitstag bringt kaum genug Nahrung ein.

Die Waage deutet auf Knappheit, Rationierung und außergewöhnlich hohe Lebensmittelpreise hin.

Weizen und Gerste waren Grundnahrungsmittel. Die Situation, die Johannes beschreibt, ist kein Bild von wirtschaftlichem Wohlstand, sondern von schwerwiegender Zerrüttung.

Warum werden Öl und Wein verschont?

Dann folgt ein auffälliger Befehl:

“Dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu.” — Offenbarung 6:6

Warum werden Öl und Wein verschont?

Der Text erklärt das nicht.

Einige Ausleger sehen hierin eine Begrenzung des Gerichts. Andere weisen darauf hin, dass bestimmte landwirtschaftliche Produkte betroffen sind, während andere verschont bleiben. Auch wirtschaftliche Ungleichheit wurde als mögliche Erklärung vorgeschlagen.

Aber wir sollten nicht bestimmter sein als die Bibel selbst.

Was jedoch klar ist: Das Gericht kennt Grenzen.

Selbst in diesen ergreifenden Ereignissen bleibt Gott souverän.

Das vierte Siegel: Tod und Hades

Das vierte Pferd wird mit dem griechischen Wort chlōros beschrieben.

Das kann auf eine blasse, gelbgrüne oder grünliche Farbe hinweisen.

Nicht frisch und lebendig.

Sondern kränklich und tödlich.

Johannes lässt uns nicht raten, wer der Reiter ist:

“Und der Name dessen, der darauf saß, war der Tod, und das Reich des Todes folgte ihm.” — Offenbarung 6:8

Das griechische Wort für „Reich des Todes“ ist Hades: der Aufenthaltsort oder das Reich der Toten.

Anschließend lesen wir:

“Und ihnen wurde Macht gegeben über das vierte Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert, mit Hunger, mit dem Tod und durch die wilden Tiere der Erde.”

Auch hier steht etwas Wichtiges:

ihnen wurde Macht gegeben.

Der Tod ist schrecklich.

Aber der Tod ist nicht souverän.

Eine starke Verbindung zu Hesekiel

Die Sprache von Offenbarung 6 ruft unmittelbar Bilder aus Hesekiel hervor.

In Hesekiel 14:21 spricht Gott von vier schweren Gerichten: dem Schwert, der Hungersnot, den wilden Tieren und der Pest.

Offenbarung 6 nennt: Schwert, Hunger, Tod und wilde Tiere.

Die Übereinstimmung ist auffällig.

Johannes schreibt tief aus der Sprache und den Bildern des Alten Testaments heraus.

Die Offenbarung kann daher ohne Bücher wie Jesaja, Hesekiel, Daniel und Sacharja nicht gut verstanden werden.

Sacharja und die farbigen Pferde

Auch der Prophet Sacharja sah verschiedenfarbige Pferde.

In Sacharja 1 erscheinen Pferde in einer prophetischen Vision.

In Sacharja 6 sieht er vier Streitwagen mit verschiedenfarbigen Pferden, die über die Erde ausziehen.

Die Bedeutungen sind nicht automatisch identisch mit denen von Offenbarung 6, aber die Bildsprache ist deutlich verwandt.

Johannes schreibt nicht in einem Vakuum.

Die Offenbarung atmet das Alte Testament.

Eroberung. Krieg. Mangel. Tod.

Wenn wir die ersten vier Siegel zusammen lesen, entsteht eine beeindruckende Abfolge:

Eroberung → Krieg → Mangel → Tod

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Offenbarung uns eine einfache historische Formel gibt, bei der das eine immer direkt das andere verursacht.

Aber zusammen bilden die ersten vier Siegel ein überwältigendes Bild einer Welt, in der Sieg, Gewalt, wirtschaftliche Zerrüttung und Sterblichkeit zusammenkommen.

Und doch gibt es eine Wahrheit, die wir nicht übersehen dürfen:

die Reiter haben keine absolute Macht.

Ihre Macht ist ihnen gegeben.

Das Lamm öffnet die Siegel.

Das bedeutet nicht, dass das Böse unwirklich ist.

Im Gegenteil.

Krieg ist wirklich.

Hungersnot ist wirklich.

Verfolgung ist wirklich.

Tod ist wirklich.

Aber keine dieser Mächte steht neben Gott als Ihm ebenbürtig.

Die Märtyrer bitten um Gerechtigkeit

Nach den vier Reitern sieht Johannes beim fünften Siegel die Seelen derer, die wegen des Wortes Gottes getötet worden sind.

Sie rufen:

“Wie lange, heiliger und wahrhaftiger Herrscher?” — Offenbarung 6:10

Das ist eine Frage, die Gläubige durch die Jahrhunderte hindurch gestellt haben.

Wie lange bleibt das Unrecht bestehen?

Wie lange bleibt das Böse ungestraft?

Wie lange dauert es, bis Gerechtigkeit sichtbar wird?

Auffallend ist, dass die Märtyrer nicht selbst Rache nehmen.

Sie richten ihren Ruf an Gott.

Sie vertrauen das Urteil Dem an, der gerecht richtet.

Der Zorn des Lammes

Beim sechsten Siegel wird die Erde erschüttert.

Es gibt ein großes Erdbeben.

Die Sonne wird schwarz.

Der Mond wird wie Blut.

Menschen rufen zu den Bergen:

“Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes.” — Offenbarung 6:16

Der Ausdruck „der Zorn des Lammes“ ist beeindruckend.

Ein Lamm ruft Sanftmut und Opfer hervor.

Aber dasselbe Lamm, das Sich für Sünder hingegeben hat, ist auch der gerechte Richter.

Jesus ist Retter.

Aber Er ist auch König.

Gnade und Gericht stehen in der Offenbarung nicht im Widerspruch zueinander, als ob Gott zwischen beiden wählen müsste.

Derselbe Christus, der Sein Leben gab, wird am Ende das Böse gerecht richten.

Jesus ist das Herz der Offenbarung

Hier liegt vielleicht die größte Warnung für jeden, der Prophetie studiert.

Es ist möglich, sich endlos mit Kriegen, 666, dem Antichristen, Weltpolitik, Katastrophen, den vier Reitern und der großen Trübsal zu beschäftigen und doch das zentrale Thema des Buches zu verfehlen.

Die Offenbarung beginnt nicht mit: „Die Offenbarung des Antichristen.“

Sondern mit:

“Die Offenbarung Jesu Christi.” — Offenbarung 1:1

Jesus Christus ist das Zentrum.

Der Drache ist nicht souverän.

Das Tier ist nicht souverän.

Babylon ist nicht souverän.

Der Tod ist nicht souverän.

Das Lamm ist souverän.

Der wahre weiße Reiter

Später, in Offenbarung 19, sieht Johannes erneut ein weißes Pferd.

Diesmal ist die Identität des Reiters unzweideutig.

“Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, wurde treu und wahrhaftig genannt.” — Offenbarung 19:11

Vers 13 sagt:

“Sein Name lautet: das Wort Gottes.”

Und Vers 16:

“KÖNIG DER KÖNIGE UND HERR DER HERREN.”

Hier besteht kein Zweifel.

Das ist Jesus Christus.

Deshalb sollten wir den ersten weißen Reiter aus Offenbarung 6 nicht automatisch mit Christus gleichsetzen.

Offenbarung 19 gibt uns den unverkennbaren Sieger.

Er ist Treu und Wahrhaftig.

Er ist das Wort Gottes.

Er ist König der Könige.

Die Offenbarung endet nicht mit dem Tod

Offenbarung 6 ist düster.

Krieg.

Mangel.

Märtyrertum.

Gericht.

Tod.

Aber das Buch endet nicht dort.

In Offenbarung 21 lesen wir:

“Und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.”

Und:

“Der Tod wird nicht mehr sein.”

In Offenbarung 22 erscheint wieder der Baum des Lebens.

Das ist letztendlich die Geschichte der Offenbarung:

Gericht → Sieg → Wiederherstellung → Leben

Gott macht alle Dinge neu.

Die Frage für die Kirche heute

Die wichtigste Frage bei der Offenbarung ist daher nicht:

“Welches heutige Ereignis gehört zu welchem Pferd?”

Die tiefere Frage ist:

“Bleibe ich Jesus treu, wenn alles um mich herum erschüttert wird?”

Die ersten Christen, an die die Offenbarung geschrieben wurde, kannten Verfolgung, politischen Druck und wirtschaftliche Unsicherheit.

Einige bezahlten ihre Treue zu Christus mit ihrem Leben.

Johannes richtet ihren Blick nicht ständig auf Rom.

Er richtet ihren Blick auf den Thron.

Er richtet ihren Blick auf das Lamm.

Das ist auch heute unsere Berufung.

Wenn der Friede schwindet: Blicke auf das Lamm.

Wenn die wirtschaftliche Sicherheit wankt: Blicke auf das Lamm.

Wenn Angst die Gesellschaft beherrscht: Blicke auf das Lamm.

Wenn der Tod nahe kommt: Blicke auf das Lamm.

Königreiche kommen und gehen.

Mächte steigen auf und fallen.

Aber Jesus Christus bleibt.

Bibelrahmen — Die vier Reiter auf einen Blick

Weiß — Offenbarung 6:1–2: Der Reiter zieht aus, „siegreich und um zu siegen“. Seine genaue Identität wird nicht genannt und ist Gegenstand verschiedener Auslegungen.

Rood — Offenbarung 6:3–4: Der Friede wird von der Erde genommen. Gewalt und Blutvergießen nehmen zu.

Zwart — Offenbarung 6:5–6: Die Waage, die extremen Getreidepreise und der Tageslohn deuten auf schweren Mangel und wirtschaftliche Zerrüttung hin.

Fahlgrün — Offenbarung 6:7–8: Der Reiter heißt Tod. Hades, das Reich der Toten, folgt ihm.

Wichtigster Schlüssel: Die Reiter öffnen die Siegel nicht selbst. Das Lamm öffnet die Siegel.

Die zentrale Botschaft

Die vier Reiter zeigen die schreckliche Wirklichkeit von Eroberung, Krieg, Mangel und Tod.

Aber die Offenbarung stellt all diese Dinge unter die Autorität des Lammes.

Daher ist die Botschaft von Offenbarung 6 nicht, dass das Chaos am Ende gesiegt hat.

Die Botschaft ist, dass selbst wenn Gericht, Krieg, Mangel, Verfolgung und Tod die Erde erschüttern, der Thron nicht leer ist.

Das Lamm hat seine Autorität nicht verloren.

Jesus Christus regiert.

Und deshalb erklingt im Himmel:

“Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu empfangen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob.” — Offenbarung 5:12

Bevor Johannes die Pferde sieht, sieht er das Lamm. Und wenn die Pferde vorüber sind, steht das Lamm immer noch da.

Würdig ist das Lamm.

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